Home Tagebuch Fotos

Der Schlüssel zu Costa Rica

Montezuma, Costa Rica, 29. Oktober 2015


Der Schlüssel zu Costa Rica hat drei Plastik-Diamanten und öffnet die Türen zu einem Mitsubishi Lancer, dem ewigen Konkurrenten des Subaru Impreza. Damit das hier aber nicht vollständig zu einem Auto Blog wird, sollst Du nur wissen, dass der Lancer ebenfalls die Basis für einen sehr erfolgreichen Rallye-Wagen war. Leider merken wir davon außer einer ausgezeichnet, präzisen Lenkung und einer sehr griffigen Vorderachse nicht viel. Der Lancer mit Heckflügel sieht schnell aus, ist aber zahnlos und quält sich furchtbar jaulend durch Costa Ricas Hinterland.


Eigentlich wollten wir hier gar keinen Mietwagen, es fühlte sich gut und richtig an, keinen Schlüssel und die damit verbundenen Verantwortung zu tragen. Die wenigen Sachen, die wir dabei haben, passen in einen Rucksack und ebenso leicht wie sorgenfrei waren wir in Costa Rica gestartet.

Keine Sorge ums Auto, den Zustand der Straßen oder darum, wo der Wagen über Nacht sicher steht. Costa Rica hat ein gutes Busnetz, mit dem Du überall hinkommst, zumindest in Orte mit geteerten Straßen. Zieht es Dich aber in die Natur, bist Du auf Touren angewiesen und die wollen teuer bezahlt werden. Das Preisniveau hat nichts mit Mittel- oder Südamerika gemein, das war uns klar. Die Preise, die hier aber trotz tiefster Nebensaison aufgerufen werden, lassen uns den Mund trocken werden. Der Eintritt in eine Therme kostet 35$ pro Person, ohne Transport. Der Koreaner, der eben noch wie ein Löwe versucht hat, den Zimmerpreis um zwei Dollar zu drücken, bezahlt anschließend ohne zu zucken 85$ für eine Halbtages-Tour in die Therme mit Vollverpflegung.


„I have to spend my money to be happy, right?“, sagt er entschuldigend, als wir ihn fassungslos angucken. Wir behalten unser Geld lieber und sehen zu, dass wir ans Meer kommen. Das Meer ist immer gut. Und das ist es auch hier, leider aber noch teurer. Nebensaison sei Dank können wir  handeln aber ich frage mich, wer hier in der Hauptsaison 45$ für ein Bett in einem 10er Dorm hinlegt, für 12$ eine Ladung Wäsche wäscht oder für 20$ Pizza isst. Wir essen meist in den lokalen „Sodas“, nicht weil uns das Nationalgericht schwarze Bohnen, Reis, Hühnchen so gut schmecken würde, sondern weil wir die Alternativen nicht bezahlen wollen.


Dazu regnet es ab Nachmittags als stünde der Weltuntergang kurz bevor, was okay ist in der Regenzeit, allerdings begrenzt das eben auch den Spaß und den Bewegungsradius. Nach einer Woche müssen wir uns eingestehen, dass wir uns festgebissen haben. Wenn wir nicht bereit sind, die Preise der Touranbieter zu zahlen, werden wir von Costa Rica nicht viel zu sehen bekommen. Die Öffis bringen uns nicht in die National Parks, Taxis sind absurd teuer und zu Fuß und trampen ist in den meisten Fällen zu weit und unklar, ob wir abends auch wieder zurückkommen.


Wir probieren es fünf Tage mit einem Mietwagen und es beginnt vielversprechend mit einem Upgrade. Leider hat unser Lancer keine vertrauenerweckende Bodenfreiheit und eigentlich dürften wir die geteerten Straßen gar nicht verlassen, was uns aber nicht abhält, sämtlich Strecken auch off-road zu fahren. Die besten Früchte hängen eben oben an den Bäumen oder verstecken sich in Costa Rica am Ende der übleren Pisten. Wir brauchen einen Tag um das unschuldige Weiß des Wagens in ein schönes Schlammbraun-rot zu verwandeln und die ersten National Parks zu besuchen.


Der Lonely Planet weiß zu berichten, dass einige der Pisten, die wir fahren ausschließlich mit einem 4x4 zugänglich sind. „Alle sagten es sei unmöglich, bis einer kam, der das nicht wusste und es einfach tat.“ Wir müssen den achtfachen Eintrittspreis der Locals bezahlen, können aber endlich die Natur genießen, wandern und Tiere sehen. Wir sehen ein Faultier die Straße überqueren, Schildkröten und Nasenbären und Brüllaffen. Dazu schwimmen wir in kitschig, zahnputzwasser-farbenen Lagunen, duschen unter einem Wasserfall den Walt Disney persönlich nicht hätte kitschiger malen können. Erstaunlich was ein paar Mineralien und die Reflektion des Lichtes mit Wasser anstellen. Dazu tropft es stetig aus dem ewig grünen Regenwald auf uns herab. Erstaunlich, wieso Costa Ricas Fahne nicht irgendwas Grünes in sich hat. Das ganze Land ist ein ewig changierender Grünton. In Badehose, Keens und Regenjacke macht der Regen bei 30 Grad und der ganze Modder sogar richtig Spaß, von wegen kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung – hätten wir also auch das geklärt.


Zum Geburtstag bekomme ich eine Übernachtung in einer schicken Lodge von Susan geschenkt. Weil uns die Besitzer mögen und wir die ersten Besucher seit der Neueröffnung sind, bekommen wir ein zwei-faches Upgrade und ziehen statt in den einfachen Bungalow mit Hängematte auf der Veranda in die Luxusversion ein. Die Werbefotos für die Lodge stammen aus unserem Zimmer. Mitten im Dschungel, Schaukelstühle auf der Teakholzveranda, die Dusche unter freiem Himmel in einem abgetrennten Bereich, mit warmem Wasser, Fliegengitter vor den Doppelschiebetüren zur Terrasse und äußerst schlaffördernde Matratzen. Das hat fünf Sterne und versöhnt, während wir schaukelnd auf der Terrasse, chilenischem Cabernet Sauvignon in der einen, Zigarre in der anderen Hand, dem Dschungel lauschen.


Nach fünf Tagen geben wir den Wagen und die Verantwortung wieder ab und verloddern als Hippies am Strand von Montezuma. Der Bewegungsradius begrenzt sich auf die hundert Meter ins Dorf, Zimmer mit Meerblick, rauschen der Wellen, Bananen und Ananas zum Frühstück. Das Leben ist einfach und schön wenn Du ein Auto hast oder am Meer bist.

Impressum

Datenschutzerklärung

© 2014 Traumweh – Susan Döhring und Tim Wohlfeil