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Dream Team

San Francisco, Kalifornien, 30. September 2015


Ich habe geweint, als ich mein letztes Auto verkauft habe. Autos sind mehr als rollende Blechkisten. Autos machen Dinge möglich. Autos bringen uns an Orte. Autos sind Reise- und Zeitmaschinen. Autos fahren uns zu Menschen und manchmal an Orte, an die wir ohne sie niemals gekommen wären. Das gilt in den USA umso mehr.


Unser Forester hat uns an alle Orte gebracht und war überall dabei. Wir sind in ihm gefahren, haben in ihm gegessen, geschlafen, geträumt, gesungen, gelacht, geliebt, sind mit ihm im Autokino gewesen und vor allem viel gefahren. Er hat uns an kalten Morgen mit seiner Sitzheizung gewärmt aber meistens lief die Klimaanlage. Noch viel öfter war aber das riesen Schiebedach offen. Er hat uns vor dem tropischen Regen in den Südstaaten bewahrt, vor der Flash Flood in Zion, vor dem Sturm in der Wüste, vor der Hitze im Süden. Er hat unser gesamtes Equipment getragen, unsere Sachen getrocknet, nach anstrengenden Wanderungen auf uns gewartet, war trocken, wenn wir nass waren und hat uns alle Fehler verziehen, wie ein guter Freund.


Er hat uns und hin und wieder ein bis zwei Mitfahrer überall hin und wieder zurück gebracht. Susan hat einige Male gefragt ob wir „da hoch/durch oder wieder zurück-kommen“ und jedes Mal konnte ich voller Zuversicht „ja“ sagen. Jodie Forester ist ein Typ auf den Du Dich verlassen kannst. Susan mochte nicht hinschauen, als wir im Big Bend Nationalpark eine Knie-tief überschwemmte Piste fuhren, in Canyonlands die Steilstücken rauf und wieder runter kraxelten aber Forester Gump hat jedes Hindernis überwunden und auch mich immer wieder erstaunt, zu was dieses, nach US Maßstäben, kleine Auto, fähig ist. Einmal nur sind wir eine sandige Steigung nicht hochgekommen. Das laste ich aber den völlig abgefahrenen Reifen an. Jetzt haben wir neue Reifen aufgezogen, vielleicht sollten wir noch mal zurückfahren, ums zu beweisen, dass Baru durch nichts aufgehalten werden kann.


Auf den letzten Meilen, denke ich an unsere Ersten. Als ich von Sacramento nach San Francisco gefahren bin, lief im Radio „tell me lies“ von Fleetwood Mac. Tell me lies tell me sweet little lies. Ich denke an Abdul und daran, dass er trotz aller schlechter Vorzeichen den Subaru hervorragend aufgesetzt hat. Ich habe ihm kein Wort von dem was er gesagt hat geglaubt aber er hatte recht, als er sagte unser Baru sei ein wirklich gutes Auto. Wann immer wir mit anderen Subaru Besitzern gesprochen haben, sie alle lieben ihren Subaru und wir auch. Und darum trägt er auch nicht so ein erniedrigendes schwarz rotes For Sale Schild im Rückfenster und biedert sich auch nicht bei Craigslist oder einer anderen Autobörse an. Das wäre nicht richtig, so geht man nicht mit Freunden um.


Als wir ihn übernommen haben, war er technisch im guten Zustand aber man konnte spüren, dass er nicht das glücklichste Autoleben hinter sich hatte. Seine Erwartungen an sein restliches Leben waren wahrscheinlich nicht die höchsten. Was konnte ein Subi wie er noch erwarten, war er doch eher das hässliche Entlein, denn der geliebte Sonntagswagen. Sicher hatte er nicht erwartet, noch mal durch das halbe Land gefahren zu werden. Über Gebirgspässe auf über 4.000 Metern, durch überschwemmte Matschpisten, durch mehr als 15 National Parks, über Gravel Roads, Highways, Interstates, durch Städte, über Land, durch Bäche über Feldwege, alle Klimazonen und mehr als 20.000 Meilen insgesamt. Und er hat uns niemals der Polizei ausgeliefert, ein neuer Rekord für mich und für Susan, die in den USA auch keine reine Weste hat, was Geschwindigkeitsübertretungen angeht.


Baru ist eigentlich ein Rallye-Wagen im stealth-Modus. Unter der braven Erscheinung steckt eine ganze Menge Rallye Technik und auch wenn Geschwindigkeit und Beschleunigung nicht zu seinen Stärken zählen, in Kurven zeigt er etlichen Mietwagen-Touristen wo der Bartel den Most holt und spätestens wenn der Asphalt aufhört zieht er gnadenlos vorbei. Bedenken um Lack, Felgen, Unterboden, ungedeckte Versicherungen brauchen wir mit Forester Gump nicht zu haben. Er macht das einfach. Susan muss dann manchmal die Luft anhalten aber auch ihr Herz hat er im Sturm erobert. Neulich haben wir das erste Mal in 14 Jahren zusammen unser Auto gewaschen und Susan hatte dabei mindestens so viel Freude wie ich. Da blitze er zwei Tage lang wie neu aber eigentlich gefällt er mir dreckig besser und das war zwei Tage später auch wieder hergestellt.


Baru gehört nach draußen, in den Dreck. Am besten ist er sowieso offroad und glaub mir, im Kontext mit Bergen, Flüssen, Seen, oder der Wüste sieht er richtig gut aus. Dieses Auto gehört in die Wildnis oder in den Dschungel. Meinetwegen in den Großstadtdschungel aber dann an einen besonderen Ort. Und damit hat er ganz viel mit uns gemeinsam.


Und da ist er nun. An einem besonderen Ort, bei einer besonderen Person. Ich schätze, er wird mit ihr eher auf Asphalt unterwegs sein aber ich könnte mir keine bessere Lösung erträumen. Allie wird unseren Subi übernehmen und ihn für uns hegen und pflegen. Und wenn Du wissen möchtest, wie ich mich damit fühle, dann hilft das hier vielleicht:


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© 2014 Traumweh – Susan Döhring und Tim Wohlfeil



Oh und noch was. Das Subaru Logo, dass auf Susans expliziten Wunsch beim Kauf noch erneuert wurde, zeigt unter anderem den Nordstern. Ich habe so das Gefühl, dass wir uns den noch mal gemeinsam und von näherem ansehen werden.